Unternehmen Ecuador

Dank seiner reichhaltigen Naturressourcen und ganz unterschiedlicher Klima- und An-bauzonen besitzt Ecuador eine geradezu schlaraffenlandartige Palette an Exportmöglich-keiten. Zu den vier dominierenden Devisenbringern zählen das aus dem Amazonastief-land herbeigepumpte Erdöl (etwa ein Drittel des gesamten Exportvolumens), eine äußerst variantenreiche Landwirtschaft (die etwa einem Drittel der Bevölkerung Arbeit garan-tiert), großflächig angelegte Shrimp-Aufzuchtsfarmen, die fast einer Million Küstenbewoh-nern direkt oder indirekt Arbeit geben, sowie eine stetig höher schlagende Tourismus-welle, die im Jahre 2000 über 600.000 ausländische Besucher in das kontrastreiche Äquatorland schwemmte, Grenzgänger aus den beiden Nachbarstaaten Peru und Kolum-bien mit eingerechnet (fast 90 % Individualreisende und der schmale Rest Pauschal-reisende).

Wirtschaftsprofil

BIP US-$ 49,51 Mrd. - nach Kaufkraftparität [Stand: 2004]
BIP
(aufgeteilt in Sektoren)
- Landwirtschaft: 5,7 %
- Industrie: 30,5 %
- Dienstleistung: 60,8 % [Stand: 2004]
BIP/Einwohner US-$ 3.700 - nach Kaufkraftparität [Stand: 2004]
Wirtschaftswachstum ca. 5,8 % [Stand: 2004]
Arbeitslosenrate ca. 11,1 %; Unterbeschäftigung liegt bei 47 % [Stand: 2004]
Inflationsrate 2 % [Stand: 2004]
Staatsschuld US-$ 16,81 Mrd. [Stand: 2004]
Exportgüter Erdöl, Bananen, Schnittblumen, Garnelen, Kakao und Kaffee
Exportpartner

- USA - 48,3 %
- Kolumbien - 5,5 %
- Deutschland - 4,8 % [Stand: 2004]

Importgüter Rohstoffe, Fahrzeuge, Maschinen, Konsumgüter und chemische Produkte
Importpartner

- USA - 24,5 %
- Kolumbien - 12,7 %
- Venezuela - 8,3 % [Stand: 2004]

1) Bodenschätze
Ecuador verfügt über weitläufige Erdöl- und Erdgasreserven, die größtenteils im Amazonasgebiet und in geringerem Umfang auch unter dem Golf von Guayaquil liegen. Die derzeitige Tagesförderung von etwa 523.000 Barrel (Stand: 2004) hat bei einer der letzten Ausschreibungsrunden gleich mehrere internationale Konzerne ins Land gelockt. Die anfängliche Investition für die acht Förderblöcke im ekuadorianischen Oriente wurde auf etwa 200 Mio. US-Dollar geschätzt. Der Exportwert des schwarzen Goldes belief sich im Jahr 2000 auf über zwei Milliarden US-Dollar, und das bei einer Ausfuhr von fast 150 Millionen Barrel. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies ausschließlich aufgrund des günstigen Weltmarktpreises eine enorme Volumensteigerung, die einmal mehr die sen-sible und einseitige Abhängigkeit des Landes vom Erdöl verdeutlicht. Dem weiteren Ausbau des Sektor petrolero, d. h. dem Einstieg neuer Konsorten, kann dies jedoch keinen Abbruch tun – nicht einmal die Voraussage, dass im Jahr 2015 die Reserven zur Neige gehen sollen. In Kürze ist mit einer Erweiterung der bereits bestehenden, 600 km langen transekuadorianischen Pipeline von Shushufindi/Lago Agrio bis zur Raffinerie in Esmeraldas, zu rechnen.

Zwölf der weltweit größten Bergbauunternehmen (Mining Companies) schürfen metal-lische Bodenschätze wie Gold, Silber, Kupfer, Zink, Blei, Magnesium und Eisen. Ihre Etablierung im Lande wurde durch die hundertprozentige Zollbefreiung für die Einfuhr von Maschinen und Betriebsmitteln sowie durch die Aufhebung von Gemeindesteuern in Kon-zessionsgebieten ermöglicht. Die zu bezahlenden Abgaben (Royalties) betragen lediglich 3 % der Bruttoproduktion. Als zusätzlicher Anreiz wird auf den Vertrieb mineralischer Substanzen keine Mehrwertsteuer erhoben. Das Interesse an der Ausbeutung der bisher mit primitivsten Methoden bewirtschafteten Minen ist seitdem unablässig gestiegen. Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten Jahren alljährlich Gold im Wert von mehreren hundert Mio. Dollar exportiert wird.

Die Abholzung der Wälder (La Tala de Bosques)
Eine Waldfläche von fast 15 Mio. ha (mindestens 35 % davon stehen unter Naturschutz) garantiert auf viele Jahre hinaus eine florierende Forstwirtschaft. Dabei liegen zwei Drittel des genutzten Waldes im östlichen Amazonastiefland. Der abgeholzte Rest stammt haupt-sächlich aus den Provinzen Esmeraldas und Manabí sowie in bedingtem Maße auch aus dem Hochland. Nachts kann man auf den Straßen nach Esmeraldas tiefliegende Schwer-transporter mit gewaltigen Rohstämmen für die Verschiffung nach Übersee beobachten. Falls der massive Holzschlag diesen beschleunigten Rhythmus beibehalten sollte (über 150.000 ha pro Jahr), wird in Ecuador außer in Naturschutzgebieten in etwa fünfzig Jahren kein einziger Baum mehr stehen. Wiederaufforstungsprogramme existieren zwar, kom-men bei der derzeitigen Abholzungsquote jedoch bei weitem nicht nach. Zu den begehr-testen Nutzhölzern gehören neben wertvollen tropischen Edelhölzern auch Balsa sowie schnell wachsende Eukalyptusbäume und leicht zu verarbeitende Pinien aus dem andinen Hochbecken. Die fertigen und halbfertigen Produkte werden in die USA, nach Korea, Japan, Peru, Venezuela, Kolumbien und in andere lateinamerikanische Länder exportiert. Die Produktpalette ist groß: Holz-, Furnier- und Pressspanplatten, Verschalun-gen, Fußböden, Türen und Einbauschränke. Einen besonderen Stellenwert nimmt Balsa-holz ein. Es wird in den Naturwäldern und Plantagen auf über 25.000 ha geschlagen. Mehr als 45 Länder kaufen das weiche Holz blockweise, um es anschließend zu formen oder für industrielle Zwecke zuzuschneiden.

2) Ecuadors Landwirtschaft
Die tropisch-heißen, agrarisch genutzten Landstriche der breiten Küstenebene sind von riesigen Bananen-, Kakao-, Tabak-, Baumwoll- (algodón) oder Obstplan-tagen geprägt. Oft soweit das Auge reicht!
Während des 19. Jahrhundert galt Ecuador als das Land des Kaffees. Aber die Zeit der blaublütigen Bohnenbarone gehört seit langem der Vergangenheit an. Ende die-ses Jahrhunderts hat sich die rückläufige Tendenz des Kaffee-Exportes sogar noch beschleunigt. Aufgrund
der qualitativ überlegenen Konkurrenz in den für Europa näher liegenden Anbaugebieten in Kolumbien, Brasilien und Mittelamerika, gefallener Weltmarktpreise und seuchenbe-dingter Ernteausfälle ist das Exportaufkommen der ecuadorianischen Kaffeebohne allein in den letzten zehn Jahren praktisch auf ein Drittel zusammengeschrumpft. Kleine und mittlere cafeteros (Kaffeebauern) zählen daher auch mit zu den Ärmsten unter der ohnehin notleidenden campesino-Bevölkerung. Trotzdem werden heute noch die beiden meistge-kauften Kaffeesorten im Lande angebaut (Arabica und Robusta). Auf einer Fläche von etwa 300.000 ha (vornehmlich in den Provinzen Manabí, Los Ríos, El Oro und Loja) wer-den jährlich über eine Millionen Säcke produziert. Exportiert wird vor allem innerhalb Süd-amerikas, nach Europa und in die Vereinigten Staaten. Insgesamt betrachtet ging der Wert des Kaffeeexportes jedoch in verheerendem Masse zurück: von etwa 365 Mio. USD 1994 auf nur 22 Mio. USD im Jahr 2000.

Über ein Jahrhundert lang war Ecuador weltweit der bedeutendste Produzent und Exporteur von Kakao. Die ersten Krisensymptome der goldenen Kakao-Ära traten jedoch bereits mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf, als der Hamburger Hafen seine Pfor-ten schloss und die Preise in den Keller purzelten. Seit dieser Zeit hat sich der ekuadorianische Kakaoexport eigentlich nie wieder richtig erholen können. Der Trend ist weiter rückläufig. Während die Handelsbilanz des traditionsreichen Produktes im Jahre 1985 noch 140
Mio. US-Dollar auf die Waagschale brachte, waren es 1996 noch 90 Mio. und im Jahr 2000 gerade mal 38 Mio. Dollar. Die wunderbare Frucht zur Herstellung feinster Tafelschokolade wird besonders in den Provinzen Los Ríos, Guayas, El Oro und Manabí angebaut. Die Hauptabnehmer in den USA, in Argentinien, Belgien, Japan, Holland, Ungarn, Großbritannien, Italien und Chile schätzen den exquisiten "äquatorialen" Kakao als den besten der Welt. Zumindest dieses Prädikat kann ihm auch heute keiner nehmen!

Im Schwemmland des Río Guayas und seiner zahlreichen Zuflüsse, vor allem in der dicht-bevölkerten Provinz Los Ríos (um Babahoyo), wird auf weitläufigen Feuchtflächen traditio-nell Reis (arroz) angebaut. Aber auch großangelegte Felder nicht traditioneller Produkte wie Soja oder Sonnenblumen sind im inneren Küstenbereich inzwischen keine Selten-heit mehr. In der Region um Santo Domingo und Quevedo sowie bei Lago Agrio im Oriente sieht man auch ganze Wälder in Reih und Glied stehender Ölpalmen (palma africana).

Zuckerrohr (caña de azucar) wird hingegen seit Jahrhunderten in Manabí, Guayas, Los Ríos und Esmeraldas sowie auch in den subtropischen Tälern der westlichen Anden-ausläufer (zwischen 600 und 1.800 Höhenmetern) angebaut. Das pflanzliche Elfenbein Tagua (siehe auch > Tagua) und das geschmeidige Palmstroh (paja toquilla) zur kunst-vollen Herstellung der berühmten Panama-Strohhüte (siehe auch > Panamahut) wird vor-nehmlich in den Provinzen Manabí und Guayas geerntet.

Die Teeplantagen der monopolistischen Gesellschaft Té Zulay befinden sich auf der amazonischen Seite der Kordillerenkette in den extremen östlichen Andenausläufern der Provinzen Pastaza und Morona Santiago. Dort werden jährlich etwa 1.000 Tonnen ge-erntet. Zum Symbol für den schleichenden Untergang vieler Tabakplantagen um Esmeraldas und im Einzugsgebiet des Río Guayas wurde der Zusammenbruch der traditionsreichen einheimischen Zigarettenfabrik von El Progreso. Im Exportgeschäft spielt die Droge nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Exportvolumen stieg jedoch innerhalb der letzten 10 Jahre um das fünffache an!

Unter den nichttraditionellen Früchten und Fruchtsaftkonzentraten verzeichnete die Pas-sionsfrucht (maracuyá) in diesem Jahrzehnt einen geradezu phantastischen kommer-ziellen Erfolg. Sie kann das ganze Jahr über geerntet werden und kommt der steigenden Nachfrage aus den USA, Kanada, Frankreich, Holland und der Schweiz bei weitem nicht mehr nach. Von Oktober bis Januar ernten viele ekuadorianische Obstanbauer auch die voll im Trend liegenden Mangos, deren Anbau in der Küstenregion inzwischen über 5.000 ha Fläche einnimmt. Einer der größten Importeure verschiedener ekuadorianischer Früch-tesorten ist übrigens Deutschland! In den tieferen und höheren Regionen des innerandinen Hochbeckens werden traditionell Weizen (trigo), Kartoffeln (papas), Mais (maíz), Boh-nen (fréjol) sowie Obst und Gemüse (legumbres) angebaut. Aber auch hier hat die Aufzucht und Ernte von nichttraditionellen Produkten in den letzten Jahren enorm zugenom-men. Dies wurde vor allem durch eine effiziente exportorientierte Marktpolitik erreicht, die dem Weltmarkt Tür und Tor öffnete. Von 1986 bis 1999 wuchs der nichttraditionelle Sektor durchschnittlich um 30 % pro Jahr und macht heute fast ein Viertel des gesamten Export-volumens aus.

Bestes Beispiel hierfür sind im nördlichen Hochland (Pichincha und Imbabura) unter lang-gezogenen Foliendächern gezüchtete Blumen (flores). Im Laufe weniger Jahre hat die Rosen-, Nelken-, Margariten- und Chrysanthemenzucht dank eines ausgeglichenen Früh-lingsklimas in diesen und anderen Gebirgsregionen Ecuadors einen sehr hohen Entwick-lungsstandard erreicht. Schnelle Luftfracht sorgt für die reibungslose Verteilung auf nord-amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten. Die duftende Ware geht vor allem in die USA, nach Kanada, Europa, Chile, Argentinien, Hongkong und Russland. Die hervorstechenden Eigenschaften der stachellosen, geruchsstarken, in Größe und Farbe scheinbar unübertroffenen Rosen aus Cayambe konnten auf Fachmessen offiziell be-stätigt werden. Die mittelfristige Zukunft der geblümten Handelspartnerschaft Ecuador-Deutschland soll sich hierbei mehr als rosig dargestellt haben. So hat sich die Handels-bilanz von 1991 bis zum Jahr 2001 von etwa 20 Mio. auf über 200 Mio. USD gesteigert.

Besonders erwähnenswert sind vor allem auch die ecuadorianischen Erdbeeren (frutillas), die dem Land hinsichtlich neuer, in Expansion begriffener Produkte zu inter-nationalem Ruf verhalfen. Ihr Aroma, ihre Farbe und ihr Duft erfreuen sich vor allem in Ländern mit vier Jahreszeiten immer größerer Beliebtheit. In Ecuador können Erdbeeren ohne Ausfallzeiten das ganze Jahr über geerntet werden. In der Gegend um Cuenca und Papallacta werden Regenbogenforellen (truchas) für den Export gezüchtet. Rein ge-schmacklich können es diese mit einigen freilebenden Prachtexemplaren aus entlegenen Andenlagunen natürlich nicht aufnehmen. Zu einem ausgesprochenen Mode-Zuchtfisch hat sich auf dem Binnenmarkt der Tilapia gemausert, ein eingeführter afrikanischer Süßwas-serfisch mit recht vielen Gräten, der heute in manchen Restaurants des Oriente, an der Küste und im Noroccidente auf dem Menüplan steht.

3) Alles Banane !
Der weltweit größte Exporteur von Bananen (ban-anas, die Einheimischen sagen auch guineo oder seda) verfügt durch die Äquatorlage und der zum Pa-zifik hin flachen Küstenebene über ein ideales Klima, das den Anbau der nährstoffreichen Staudenfrucht das ganze Jahr über garantiert. Über 150.000 ha Bana-nenplantagen sorgten im Jahr 2000 für über 4 Mio. Tonnen der süßen Schiffsfracht im Gesamtwert von über 820 Mio. US-Dollar. Hauptziele der qualitativ als
superior eingestuften ecuadorianischen Banane sind vornehmlich die USA, Kanada, Deutschland, Belgien, Holland und Italien sowie neuerdings auch Japan, Korea, Peru und Chile. Zwanzig Jahre nachdem das Erdöl die Banane vom ersten Rang unter den heimi-schen Exportschlagern verdrängt hatte, eroberte sich die Frucht im Juli 1997 diesen Platz zumindest für kurze Zeit wieder zurück. Dabei hatte sie in vorangegangenen Jahren schon mehr als einmal ihre heilsame Wirkung bei Wirtschaftsflauten gezeigt. Die Geschichte des ecuadorianischen Bananenexportes geht auf die auslaufenden vierziger Jahre zurück, als der mächtige US-Konzern United Fruit Company sich der gewinnträchtigen Frucht an-nahm. Innerhalb der ersten drei Erntejahre (1948-51) stieg ihr Anteil am Exportvolumen um das Zehnfache an, was zu diesem Zeitpunkt etwa der Hälfte der gesamten Wirtschafts-einnahmen gleichkam. Den ersten "Ausrutscher" gab es dann bereits 1956, als der an-fänglich heftige Boom zunächst so schnell zu Ende ging, wie er begonnen hatte. Nach den zahlreichen Auf- und Abschwüngen der letzten fünf Jahrzehnte ist die Banane heute jedoch nicht mehr aus der Exportwirtschaft wegzudenken. Der hohe Entwicklungsstandard und die ausgefeilten Schutz- und Frischhaltetechniken der heimischen Bananenproduktion erfüllen weltweit die strengsten Anforderungen. Ihr wiederholtes Comeback gilt als Muster-beispiel für eine zukünftige innovative Produktpalette.

Dutzende von traditionellen Gerichten und Halbfertigprodukten aus insgesamt zwölf eßbaren Bananensorten (plátanos) erfreuen sich unterdessen im Binnenland größter Beliebtheit – angefangen bei gerösteten Bananenchips (chifles) über ballaststoffreiche Bananenpuffer (patacones) und käsegefüllte Bananenknödel (bolo de verde) bis hin zu Kaubananen oder vitaminhaltigem Bananenpüree. Letzteres wird aus der reifen Cavendish-Sorte gewonnen. Gelbe Bananen werden guineo oder auch seda genannt. Grüne, sehr schwer zu schälende Kochbananen heißen verde genannt. Sie können auf jede erdenkliche Art und Weise zubereitet werden. Es wurden schon ganze Bananenkoch-bücher darüber geschrieben.
Weich gebratene Bananenschnitten heißen maduro, tiefge-frorene orangefarbene oritos ergeben wiederum ein leckeres Speiseeis. Weitere 18 wilde Unterarten sind schlichtweg ungenießbar. Diese krummen Verwandten der niveauvoll kultivierten manos (Stauden) werden jedoch von Affen und anderen vierbeinigen Säugern hochgeschätzt.

Der Bananen-Welthandel
Über viele Jahre hinweg waren Bananen das bei weitem wichtigste Frischobst im Welt-handel. Seit den frühen 70er Jahren haben Orangen und verwandte Früchte allerdings ein schnelleres Wachstum zu verzeichnen (mengen- wie wertmäßig). Trotzdem sind die Ba-nanen eines der wichtigsten Exportprodukte der Länder der "Dritten Welt" geblie-ben. Bei den weltweiten Agrarexporten standen Bananen in den 80er Jahren an zwölfter Stelle, innerhalb der Gruppe tropischer Erzeugnisse sogar an fünfter Stelle – nach Zucker, Kaffee, Kakao und Kautschuk. Die beiden bedeutendsten Anbauländer sind Indien und Brasilien; sie produzieren allerdings fast ausschließlich für den Eigenbedarf. Größtes Bananen-Exportland der Welt ist Ecuador, gefolgt von Costa Rica, Kolumbien, Hon-duras und Panamá. Allein die drei mittelamerikanischen "Bananenrepubliken" Costa Rica, Honduras und Panamá vereinigen ein Drittel der Weltexporte auf sich. Wie bei kaum einem anderen Produkt ist der Bananenweltmarkt von der Dominanz dreier US-Konzerne geprägt:

- Chiquita Brands Company; früher: United Fruit Company (Marke: "Chiquita")
- Standard Fruit Company (Marke: "Dole")
- Del Monte
4) Shrimpzucht und Fischfang
Auch beim Shrimpexport stand Ecuador bis vor kurzem noch an der Spitze. Das Zusammenspiel aus hervorragenden klima-tischen Verhältnissen und modernen Aufzuchtsmethoden hatte das Land Mitte der 90ziger zum größten Shrimp-Produzenten und viertgrößten Exporteur der Welt gemacht. Die ecuadoria-nischen Krabben werden wegen ihrer Größe, Festigkeit und Farbe sowie ihres hervorragenden Geschmacks gerühmt. Über-züchtung und damit verbundene Krankheiten führten jedoch zu einer negative Wende. Während 1998 noch über 100.000 Ton-





nen im Gesamtwert von fast 900 Mio. USD exportiert wurden, fiel das Exportvolumen im Jahre 2000 auf etwa 35.000 Tonnen (unter 300 Mio. USD) zurück. Die Garnelen gehen hauptsächlich in die USA, die 75% der Gesamtausfuhr erwerben. Der Rest verteilt sich auf die Märkte der EU. Die camarones werden in etwa 1.500 Farmen gezüchtet, die eine Gesamtfläche von über 130.000 ha einnehmen.

Seit 1950 wird vor der ecuadorianischen Pazifikküste industrieller Fischfang betrieben. Aufgrund des Zusammentreffens des kalten Humboldtstromes mit dem warmen Panama-strom verfügt das Land über einen mannigfaltigen Fischreichtum. Nach Bananen sind Meeresprodukte seit 1985 zum zweitgrößten "erneuerbaren" Exportartikel avanciert. Ganzjährige Fangzeiten und eine moderne exportorientierte Konserven- und Fischmehl-industrie ermöglichen die dauerhafte Weiterverarbeitung von Seezungen (lenguado), Sardinen (sardinas), Schwert- und Thunfischen (picudos und atún). Ideale Wassertem-peraturen schaffen zudem die optimalen Voraussetzungen für die Entwicklung von Mee-resfrüchten wie Langusten, Kalamar, Herz- oder Miesmuscheln (conchas), die sich in Deutschland, Spanien, Japan, Kolumbien und Mexiko steigender Nachfrage erfreuen. Insgesamt wurden im Jahre 2000 fast 80.000 Tonnen an Fisch und Meeresfrüchten im Gesamtwert von 364 Mio. USD exportiert.


von Volker Feser, Reisebuchautor