Das Äquatorland Ecuador kann prinzipiell das ganze Jahr über bereist werden. Jede Jahreszeit hat zumindest für ausgesprochene Naturfreunde ihre bestimmten Vorzüge. In den Monaten von Juli bis September, sowie Dezember bis Januar, wird das Land von den meisten ausländischen Touristen besucht. Da Ecuador zum inneren Tropengürtel gehört, entsprechen die vorherrschenden Temperaturen in der Hauptsache den unterschiedlichen Höhenlagen mit einem ausgesprochenen Mikroklima. Während es im Hochland recht kalt sein kann, und über die Páramo-Gipfel Schneestürme hinwegfegen, liegt die Hafenstadt Guayaquil unter einer kaum erträglichen tropisch-schwülen Hitzeglocke, und nur ein Raum mit Air-Condition verschafft erfrischende Erquickung. Auf der dem Pazifik vorgescho-benen Halbinsel Santa Elena spielt allerdings auch der kalte Humboldtstrom eine wichtige Rolle. Ansonsten gibt es im Verlauf eines Jahres keine bemerkenswerten Temperatur-schwanken, daher also auch keine Jahreszeiten wie auf der Nord- und Südhalbkugel. Anstelle eines Jahreszeiten-Klimas unterscheidet man lediglich zwischen Trocken- und Regenzeit. Die Regenzeit verläuft auf Galapagos, an der Küste und im Hochland, von Ende Januar bis Anfang Mai.

Ecuador: Klimakarte

1) Oriente
Im feucht-heißen Amazonastiefland sind gewöhnlich die Monate Juni, Juli und August am niederschlagsreichsten, selbst wenn die eigentliche Regenzeit bereits im Februar beginnt. Überschwemmungen und Erdrutsche sind oftmals die Folge. Ein hoher Grad an Luftfeuch-tigkeit herrscht jedoch das ganze Jahr über. Plötzlich auftretende, heftige tropische Re-genschauer, sind auch zur "Trockenzeit" keine Seltenheit. Die Niederschlagswerte sind hier im Jahresdurchschnitt die höchsten des Landes. Sie liegen teils bei 5000 mm.

2) Sierra
Im Hochland ist es von Mitte Juni bis Anfang September meistens am schönsten, wenn die Äquatorsonne oftmals den ganzen Tag über scheint. Eine Kopfbedeckung schützt dann besonders in dieser Zeit vor gefährlichem Sonnenbrand. Ein vorübergehender "Altweibersommer" (veranillo), irgendwann zwischen Oktober und Januar, beschert jedoch mitunter die sonnenintensivsten Stunden am Nachmittag. Unterbrochen wird der veranillo zumeist gegen November, wenn teils sintflutartige Regen- und Hagelschauer einem verfrühten "Wintereinbruch" gleichkommen. Zwischen Ende Januar und Ende Mai regnet es dann am meisten. "Schottische" Witterungsverhältnisse schlagen häufig im April auf die Stimmung, und lassen einen fast vergessen sich im tropischen Südamerika zu befinden. Um sich das leicht verwirrende Klima des Hochlandes etwas verständlicher machen zu können, gibt es in der Hauptstadt eine allgemeine Faustregel: Frühling in den Morgenstunden, Sommer zur Mittagszeit, Herbst und Regen am Nachmittag, sowie laue Winternächte bis zu fünf Grad; es herrscht das sogenannte "Tageszeitenklima" (im Unterschied zum Jahreszeitenklima z. B. in Europa). In Lagen über 4.000 Meter kann es sogar zu Schneefällen kommen.

3) Costa
An der Küste ist in den Regenmonaten von Ende Januar bis Anfang Mai, mit einem An-steigen der Temperaturen, und einer sprunghaften Vermehrung von Stechmücken und anderen Plagegeistern zu rechnen. Im nördlichen, feucht-heißen Küstenbereich um Esmeraldas, bedeutet dies meistens nächtliche Regenfälle und starke Sonneneinstrah-lung am späteren Vormittag. Die Sommermonate hingegen, von Juni bis Dezember, sind zwar viel trockener, dafür ist der Himmel jedoch am Vormittag oft bewölkter. Im südlichen, trocken-heißen Küstenbereich, können die Monate Juli, August und September verhältnis-mäßig kühl sein. Ein leichtes Jäckchen ist dann oftmals vonnöten. Permanente Niesel-regen und ein wochenlang bedeckter Himmel würden "Nordsee-Stimmung" aufkommen lassen, wären da nicht die Kakteen und Ceibo-Bäume. In Salinas können die ansonsten trocken-heißen Temperaturen gerade zu dieser Jahreszeit manchmal bis auf sage und schreibe 12 Grad fallen. Der Dezember und Januar beschert dann meist wieder sonnigere Tage und langanhaltende Bräune.

4) Galápagos-Inseln
Das Klima auf den Galápagos-Inseln ist trotz der Äquatornähe nicht so heiß. Dies liegt an dem aus Südosten kommenden relativ kühlen Humboldtstrom und dem aus Westen kommenden kalten Tiefenstrom, dem Cromwellstrom. In der Regenzeit (Januar bis Juni) herrscht eine durchschnittliche Lufttemperatur von 27 Grad Celsius, dafür ist es sonniger, in der trockeneren Zeit liegen die Temperaturen bei 21 Grad Celsius und es ist oft nebelig.

Ecuador: Klimatabellen

Thermische Vertikalgliederung - Tropische Höhenklimate

Höhenstufen in Ecuador

Die Gebirge bilden eine ganz westliche Einflussgröße für das Klima in Latein-amerika. Zum einen sind sie Klimascheide; die Klimate westlich und östlich der Gebirge unterscheiden sich häufig sehr stark von einander – zum anderen ist die klimatische Vertikalgliederung von besonderem Interesse, da hier innerhalb von relativ kurzer Dis-tanz viel größere Unterschiede auftreten können, als es in horizontaler Betrachtung über-haupt möglich wäre. In allen Gebirgen, egal welcher Klimazone sie angehören, ändern sich wesentliche biotische und abiotische Umweltbedingungen mit der Höhe. Das Abneh-men der Temperatur, des Luftdrucks und zunächst auch eine Zunahme der Bewölkung und des Niederschlags und der Einstrahlung führen zu einem stockwerkartigen Aufbau unter-schiedlicher Lebensbedingungen, der ganz allgemein als klimatische Höhenstufung der Gebirge, bezeichnet wird. Gerade aber in Lateinamerika ist die Ausbildung von klima-tischen Höhenstockwerken von besonderer Bedeutung, da hier ein mächtiges Gebirge mitten in den Tropen zu finden ist. So kommt es, dass im Bereich der normalerweise heißen Tropen auf kurzen Distanzen Übergange von ewigem Sommer zu permanenten Winter zu erleben sind.

Es war Alexander von Humboldt, der dieses Phänomen als erster ausführlich be-schrieb, nachdem er zwischen 1799 und 1804 die Gebirge Südamerikas bereiste, und dabei ständige barometrische und thermische Messungen vornahm. Im fiel auch als erstem auf, dass sich die Pflanzenformationen der Höhe, also den jeweiligen klimatischen Bedingungen der einzelnen Stockwerke anpassen. So wurde Humboldt zum Entdecker der Höhenstufen der Vegetation. Für die Beschreibung der Höhenstockwerke benutzte Humboldt ältere, von den Spaniern eingeführte Bezeichnungen, die sich bis heute in der wissenschaftlichen Nomenklatur durchsetzten: Tierra caliente – das heiße, von Regen-wäldern bedeckte Land; Tierra templada – das gemäßigte, von tropischen Bergwäldern bewachsene Land; Tierra fría – das kalte Land, indem die europäischen Feldfrüchte beste Bedingungen finden; Tierra helada – das eisige Land der Paramós und Puna-Steppen; Tierra nevada – das Land der Gletscher, in dem nur noch vereinzelt niedere Pflanzen gedeihen können. Diese Begriffe beschreiben also sowohl die thermischen als auch die biotischen Verhältnisse. Für das Klima sind besonders die Temperaturverhält-nisse für ihre Unterscheidung von Bedeutung.
Tierra caliente (das heiße Land) umfasst die ständig heißen Tieflandregionen unterhalb von etwa 800 bis 1.000 m Höhe. Die Jahresmittel der Temperatur liegen hier über 24°C. An den Gebirgsflanken ist durch den Wolkenstau mit dem meisten Niederschlag zu rech-nen. Extreme Jahressummen von 4.000 mm sind hier normal.

Tierra templada (das gemäßigte Land) beschreibt eine temperierte Höhenstufe etwa zwischen 800 und 2.000 m. Die Temperaturmittelwerte liegen zwischen 18 und 22°C und sind somit schon wesentlich niedriger als in der Tiefebene. An der Obergrenze liegen die Mittelwerte nur mehr bei 16 bis 17 °C. Es herrschen alles in allem als angenehm geltende thermische Bedingungen. Auch die Niederschläge nehmen oberhalb der Niederschlags-maximalzone (etwa bei 1100 bis 1200 m Höhe) merklich ab. Frost ist dieser Höhenzone nicht bekannt, also ist die Kultivierung aller kälteempfindlichen Gewächse noch möglich.

Tierra fría (das kühle Land) bezeichnet eine kalte Höhenstufe zwischen 2.000 und 3.500 m, mit einem Jahresmittel von 12-22°C. Dieser Höhengürtel reicht bis zur Obergrenze der Anbaumöglichkeit europäischer Feldfrüchte, die andinen Getreide und Knollenfrüchte gedeihen dagegen z. T. auch noch in der darüber liegenden Höhenstufe. Die thermischen Bedingungen kann man – freilich nur zu Mittag – mit einem ganzjährigen außertropischen Frühsommer vergleichen. Auch die Niederschlagsverhältnisse gehen mit 700-800 mm bis auf außertropische Verhältnisse zurück. Tierra templada und Tierra fría sind die bevor-zugten Lebensräume und somit auch die bevölkerungsreichsten Gebiete der tropischen Gebirge.

Tierra helada ist die Froststufe der Gebirge. Sie nimmt die Regionen über 3.500 bis 4.000 m ein und weist meist ein Jahrestemperaturmittel von unter 6°C auf. Die täglichen Temperaturschwankungen sind extrem und betragen oft 40-50°C, ja sogar 60°C. Es ist keine Seltenheit, dass die Temperatur in der Nacht auf –20°C abkühlt, und die maximalen Bodentemperaturen unter Tags aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung auf bis zu 40°C steigen. Man kann sagen, dass während der starken nächtlichen Ausstrahlung jede Nacht der Winter einkehrt, unter Tags kann man aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung jedoch frühlings- bis sogar sommerliche Verhältnisse antreffen. Die Frostwechselhäufig-keit ist extrem hoch. Die Belastung ist hier nicht nur für den Menschen extrem. Auch das Gesteinsmaterial hat darunter zu leiden. Es kommt zu intensiver Schuttbildung. In vielen Teilen, etwa auf dem Altiplano oder in der Puna gibt es kein Wasser, um die Schuttmas-sen abzutransportieren – die Berge ertrinken förmlich in ihrem eigenem Schutt. Der Grad, mit denen Pflanzen den Boden überdecken, beträgt höchstens 10-15%.

Tierra nevada ist die Stufe des ewigen Eises. Die Schneegrenze liegt äquatornah bei etwa 5.000 m und steigt gegen südlich des Wendekreises bis etwa 6.700 m an – dies ist die höchste Schneegrenze der Erde. Die höchsten Vulkankegel und Gebirgsspitzen ragen in die Zone ewigen Eises mit nächtlichen Extremtemperaturen von –40 bis –50°C hinein. Die Gipfel ragen meist über das mittlere Wolkenniveau hinaus, somit ist die Sonnenein-strahlung während des Tages sehr hoch.


von Volker Feser, Reisebuchautor