Was stellt man sich vor, wenn man Ecuador hört? Lange weiße Strände und Bananen? Tropische Hitze und korrupte Staatsmänner? So ähnlich waren zumindestens meine Vorstellungen als ich zum ersten Mal in den Flieger gen Ecuador stieg. Als ich dann knapp einen Monat später auf der Terasse meiner Gastfamilie in Quito stand und über die Stadt blickte, beobachtete ich das wirre Treiben auf den Straßen, die klapprigen, sich den Berg hinaufquälenden Buse, das System "ich spring auf den fahrenden Bus auf", hupende Taxis die in jede freigewordene Lücke drängelten, bettelnde Kinder und Schuhputzer am Straßenrand und die fliegenden Händler, die ihre Waren auf dem Gehsteig ausbreiteten - es schien also ein ganz normaler Tag zu sein! Die Stadt selber frisst sich wie ein Geschwür in die Anden und es sieht so aus, als ob sie sich wie ein großer Wurm im Halbkreis um den aktiven Vulkan Pichincha schlängeln würde. Es hat einige Zeit gedauert bis ich mich an das Leben in Quito gewöhnte, da die soziale Ungleichheit hier wohl kaum größer sein könnte. Auch wenn mich anfangs die Armut der bettelnden Indígena-Frauen und Kinder auf der Straße sehr berührte, so schockierte mich jetzt der monatliche Kampf von Menschen in meinem Umfeld mit ihrem geringen Einkommen würdevoll über die Runden zu kommen. Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen wie schön es ist in einer Solidargesellschaft zu leben, die für die Schwachen sorgt. Wissen wir eigentlich zu schätzen mit welcher Sicherheit wir nachts durch die Straßen gehen können? Oder in welchen Mengen das Wasser aus dem Duschkopf strömt, wenn man den Duschhahn aufdreht? Dies sind ganz alltägliche Dinge, die man in Ecuador wieder zu schätzen lernt.

Jedoch möchte ich hier kein schwarzes Bild von dem in vielerlei Hinsicht vielfältigen und spannenden Land vermitteln. Abwechslungsreicher könnte nämlich die Natur wohl kaum sein! In Ecuador gibt's von allem etwas auf engstem Raum - das Land unterteilt sich in die drei Teile Sierra, Costa und Oriente, die sich völlig voneinander unterscheiden (eigentlich sind es mit den Galápagos-Inseln sogar vier Landesteile !!!). Die Costa ist die pazifische Tiefebene. Hier ist es das ganze Jahr über heiß und hier werden im großen Stil Bananen angebaut (z. B. Dole, Chiquita, Bonita = Bananen aus Ecuador). Die Sierra ist der Anden-Gebirgszug. Der höchste Berg, der Vulkan Chimborazo, ist 6.310 Meter hoch. Mein persönlicher Favorit ist der kegelförmige Cotopaxi (5.897 m), der höchste freistehende aktive Vulkan der Erde, den ich letztes Jahr bestiegen habe (siehe auch > Cotopaxi-Bericht). Die Hauptstadt Quito liegt ebenfalls in der Sierra auf einer Höhe von 2.850 Metern. Trotz dieser Höhe sind die Temperaturen immer noch recht freundlich (zwischen 15 und 25°C). Zudem behaupten die Quiteños nicht ganz zu unrecht, dass sie vier Jahreszeiten an einem Tag hätten. Und dabei sind in Ecuador wenige Sachen so zuverlässig wie das Wetter ;-). Das Wetter ändert sich oft abrupt, die Stimmung wechselt ohne jede Vorwarnung. El tiempo es como las mujeres, das Wetter ist wie die Frauen, sagt man(n) dazu in der Hauptstadt (siehe auch > Unterkunft in Quito). Man kann die großen Höhen aber nicht mit den entsprechenden Höhenlagen in Europa vergleichen. Es wird nämlich noch auf einer Höhe von 3.500 Metern Landwirtschaft betrieben (z. B. Kartoffel- und Maisanbau). In Europa würde in diesen Höhen nichts mehr wachsen. Im Osten erstreckt sich schließlich die Selva, die Tiefebene, die an das Amazonasbecken übergeht. Hier ist es sehr heiß und feucht (... schlaflose Nächte unter einem Moskitonetz sind vorprogrammiert ;-)) und die Vegetation besteht aus tropischem Regenwald.

Ob man in heißen Thermalquellen auf 4.000 Meter Höhe bei Außentemperaturen nahe dem Gefrierpunkt badet, sich bei 45 Grad am Pazifik-Strand unter Palmen sonnen möchte oder bei ähnlichen Temperaturen und unglaublich hoher Luftfeuchtigkeit mit Spinnen, Affen und Riesenschmetterlingen durch den Dschungel pilgern möchte, in Ecuador ist es möglich!!!! Auch spiegelt sich die Vielfalt des Landes in den Menschen wieder. Die Menschen sind je nach Region sehr verschieden. Ich habe viele Menschen kennengelernt - die "Latinos" - ebenso wie die eingeborenen Indígenas, und habe auch gesehen, wie unterschiedlich die Lebensweisen in den verschiedenen Regionen des Landes sind. Überhaupt waren die meisten Menschen sehr freundlich und zuvorkommend zu mir, und vor allem sehr interessiert. Die größten Bevölkerungsgruppen in dem von den Spaniern missionierten Land sind Indígenas, Mestizen, Weiße sowie Afro-Ecuadorianer. Viele Indígenas tragen noch heute ihre farbenfrohen Trachten, praktizieren aktiv althergebrachte Traditionen und verkaufen Textilien und sonstige Produkte auf traditionellen Märkten.

Allerdings wollte ich nur mit ein paar Worten meine stärksten Eindrücke wiedergeben, da ein ausführlicher Bericht wohl den Rahmen meiner Homepage sprengen würde. Im großen und ganzen kann ich nach meinen drei Aufenthalten in Ecuador nur sagen, dass ich nicht nur ein Land erlebt habe, in dem hinter langen weißen Stränden Bananen wachsen, sondern ein Land voller kultureller und ethnischer Vielfalt, voller Elend und Hoffnung, voller Gegensätze und Gelassenheit. Ein Land, in dem der tägliche Kampf ums Überleben so allgegenwärtig ist wie bei uns das Entsetzen über dreieinhalbminütige Verspätungen der Bahn. Ein Land, von dem wir alle viel lernen können.

P.S.: Wer Fragen über Ecuador hat, kann sich gerne bei mir melden!

Einige Worte über Ecuador

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Was macht Ecuador besonders?

Ecuador, bietet auf kleinstem Raum sämtliche Klima- und Höhenstufen vom tropischen Regenwald im Amazonas bis zu den schneebedeckten Vulkanen in den Anden, eine einzigartige Topographie sowie eine grosse Vielfalt an Flora und Fauna.

Ecuador gehört zu den artenreichsten Ländern unserer Erde. Obwohl das Land nur
0,2 Prozent der Erdoberfläche umfasst, beherbergt es ein Fünftel aller Vogelarten weltweit und 6 Prozent aller bekannten Pflanzenarten.

Wenn man durch die schöne Welt der Galápagos-Inseln reist, kann man immer wieder einzigartige Pflanzen und Tiere beobachten, welche sich ohne Einmischung des Menschen auf den 1.000 Kilometern vom Festland entfernten Inseln über Jahrtausende entwickelt haben.

Das Land ist in drei geographische Zonen eingeteilt: Die Costa am Pazifik mit Bananen, Kakao und Kaffee, die Sierra mit ihren Vulkanen Cotopaxi und Chimborazo sowie den Oriente (Amazonas) im Osten.

Jede dieser Regionen des Landes kann von Quito aus in relativ kurzer Zeit mit dem öffentlichen Bus oder mit dem Flugzeug erreicht werden.



















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ECUADOR
von Volker Feser
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