Ethnische Gruppen

Das kleine Ecuador ist ein multinationales, multiethnisches und multikulturelles Land! Innerhalb dieses geographisch wie klimatisch ganz unterschiedlichen Territoriums koexistiert ein buntgewürfeltes, praktisch aus allen Teilen der Welt hervorgerufenes Völkergemisch. Aus Europa, Nordamerika, Ostasien, und dem Vorderen Orient abstam-mende “Weiße”, schwarze Sklavenabkömmlinge, Mestizen aller Schattierungen (wie zum Beispiel die montubios der inneren Küstenregion), sowie eine unglaubliche Vielzahl indianischer Gruppierungen, die sich sowohl durch ihre Gebräuche und Lebensgewohn-heiten voneinander unterscheiden, als auch gleichzeitig untereinander vermischt haben. Dieser äußerst komplizierte, sich fortwährend überlappende Integrationsvorgang, hat im Laufe der Jahrhunderte die ekuadorianische Nation auf so mannigfaltige Art und Weise geprägt, dass es heute sehr schwer fällt von einem homogenen Staat zu sprechen. Die vielschichtige Identität des “modernen” Ekuadorianers beruht schlussendlich auf dieser chaotischen Form von mestizaje, einer unübersichtlichen, geradezu experimentalen Ver-mengung verschiedener Rassen, Kontinente, Kulturen, Ethnien, Traditionen und Lebens-anschauungen.

Zusammensetzung der Bevölkerung (Stand: 2004)

- Indigenas [20,0 %]
- Mestizen [35,0 %]
- Mulatten [15,0 %]
- Afroamerikaner [5,0 %]
- Europäischer Abstammung [25,0 %]

Dabei gibt es große geografische Unterschiede: Während der Anteil der indigenen Be-völkerung im Hochland besonders hoch ist, konzentrieren sich die Menschen mit afrika-nischer Herkunft in der Region um Esmeraldas sowie im Chota-Tal (Provinz Imbabura)
im Nordwesten des Landes.

2) Indigénas des Andenraums
Im Norden des Andenraumes treten die Volksgruppen der Otavalos, Natabuelas und Caranquis auf. Sie bauen Mais, Kartoffeln und Getreide an und leben vom Verkauf ihrer Kunst-handwerke, dazu gehören vor allem Web- und Wollartikel. Die Otavalo-Indigenen sind für Ihre Webprodukte über die Landes-grenzen hinweg bekannt. Einige von ihnen sind dadurch zu Wohl-stand gekommen. Traditionelle Kleidung der Otavalenos in Otavalo sind bei den Männern schwarze Hüte und lange Zöpfe, die Frauen tragen lange, blauschwarze Röcke und weiße Blusen. Die traditionelle Kleidung ist je nach Ort unterschiedlich. Gespro-chen wird außer Quechua, Spanisch und teilweise auch Eng-lisch. Die Salasaca ist die bekannteste indigene Gruppe der Provinz Tungurahura, die vom Ackerbau und vom Verkauf von Wandteppichen und tibeterähnlichen Teppichen lebt. Im Umfeld

Indigene Kulturen

Wenn wir von präkolumbischen Kulturen sprechen, meinen wir die ethnischen Gruppen die in Amerika lebten vor der Ankunft von Kolumbus. Amerika ist nicht nur der „neue“ Kontinent, den Kolumbus und sein europäisches Gefolge angetroffen haben, es hat auch eine eigene Geschichte von Tausenden von Jahren. Wir beziehen uns auf diese Völker die das präkolumbische Amerika bewohnt haben nicht als „Stämme“, denn in Wirklichkeit sind es Kulturen, ethnische Gruppen. Nord-, Zentral- und Südamerika waren in jener Zeit von Zivilisationen bewohnt, die sich während Jahrhunderten entwickelt haben, nichts desto trotz waren sie in den Augen der Spanier unterentwickelt und primitiv. In Wirklichkeit waren es Kulturen - einige sind es heute noch - die die Welt und das Leben auf verschieden-artigste Weise interpretierten und sich verschieden entwickelt haben. Einige dieser Kul-turen sind isoliert geblieben und haben ihre eigenen Formen bezüglich Kleidung, artis-tischem Ausdruck und religiösem Glauben entwickelt.

Im 16. Jahrhundert haben mit dem Vormarsch des Christentums viele dieser Kulturen ihre religiösen, sprachlichen und künstlerischen Wurzeln verloren. Die Spanier haben den Katholizismus oft gewaltsam eingeführt und bis heute sind viele indianische Kulturen von dieser Religion bestimmt, wenn auch einige ihre Eigenheiten bezüglich Kleidung, Sprache und Musik bewahren konnten. Wenige Kulturen leben heute noch relativ isoliert, vermeiden den Kontakt mit der westlichen Kultur und bewahren die Lebensweise ihrer Vorfahren vor über 500 Jahren.

Wenn wir in Ecuador von Megadiversität sprechen beziehen wir uns nicht nur auf unsere eindrückliche biologische Diversität sondern auch auf den Faktor Mensch. Unsere bio-logische und ethnische Vielfalt ist in ihrer Ausprägung bedingt durch die natürlichen Lebensräume Küste (costa), Hochland (sierra) und Regenwald (selva).

Nationalität Ecuadorianisch
Einwohner 13.212.742 [Stand: 2004]
Alterstruktur - 00-14 Jahre: 33,5 %
- 15-64 Jahre: 61,5 %
- älter als 65 Jahre: 4,9 %
[Stand: 2005]
Durchschnittsalter Total: 23,27 Jahre
- Männer: 22,82 Jahre
- Frauen: 23,74 Jahre
[Stand: 2005]
Bevölkerungsdichte 46 Einwohner pro km²
Bevölkerungswachstum ca. 1,24 %
Lebenserwartung

Durchschnitt: 76,21 Jahre [Stand: 2005]
- Männer: 73,35 Jahre
- Frauen: 79,22 Jahre

Geburtenrate 2,72 Kinder/Frau [Stand: 2005]
Anteil unter der Armutsgrenze ca. 45 % [Stand: 2001]
Analphabetenrate

ca. 7,5 % - ausgeprägter auf dem Land
- Männer: 6,0 %
- Frauen: 9,0 % [Stand: 2003]

HIV-Prävalenz ca. 0,3 % [Stand: 2003]
1) Indigene Küstenbewohner
Im Küstentiefland haben sich die Chachi und die Tsátchila niedergelassen. Kennzeichen der Tsátchilas (etwa 2000 Mitglieder) ist ihre rote Haarpracht, sie leben im regenreichen Gebiet im äußersten Südwesten der Provinz Pichincha in der Nähe der Stadt Santo Domingo. Dieses Volk pflegt seine eigene Sprache ebenso wie schamanische Heils-rituale. Die traditionelle Kleidung, ein blau-weiß gestreifter Rock wird heute nur noch gelegentlich getragen. Die Chachi (Cayapas) besiedeln den Río Cayapas und Río Onzole im Nord-Osten der Provinz Esmeralda. Das fast 4000 Mitglieder starke Volk stammte ursprünglich aus dem Norden der Anden. Dort flohen sie erst vor den Inkas und den Spaniern. Das recht modern lebende Volk, sprechen untereinander noch chapalachi. Die größten Probleme sind die Abholzung ihres Lebensraumes und eine Reihe von tropischen Krankheiten. Im nördlichen Küstenbereich Ecuadors im kolumbianischen Grenzbereich leben die Awas ("Menschen"), auf der ecuadorianischen Seiten leben noch etwa 1500 Angehörige dieses Volkes, die eine eigene Sprache sprechen.

"Chicha" mit den Shuar. Die Achuar sind viel weniger durch Kolonisierung und Siedler bedrängt worden als die Shuar, da sie in einem kriegsgefährdeten Gebiet leben. Die heute noch wenige hundert Menschen zählende Gruppe der Cofán leben im unteren Verlauf des Río Aguarico. Als vor fast 30 Jahren in ihrem Lebensraum Erdöl gefunden wurde, traf es dieses Volk hart. Die Abholzung von großen Waldgebieten, was auch ihr Jagdgebiet einschränkte und Verseuchung von Fischgründen, den Verlust ihrer kulturellen Identität führte fast zum Verschwinden eines einst großen Volkes. Die Cofánes tragen eine ärmel- und kragenlose Baumwoll-Tunika, die ihnen von den Franziskaner Mönchen aufgezwungen wurde, und bei besonderen Gelegenheiten ihren traditionellen Kopf-schmuck - eine buntschillernde Federkrone - heute wird sie den Touristen zu liebe auf-gesetzt. Die Frauen sind mit langärmeligen Blusen und Röcken bekleidet und mit Turkan-schnäbeln oder Raubtierzähnen behangenen Ketten geschmückt. Die Siona-Secoya lebten an den früher dichtbewaldeten Flüssen des Río Aguarico, des Río Eno und im Bereich des Naturreservates von Cuyabeno (im Nordosten Ecuadors gelegen). Heute leben noch einige hundert Menschen dieses Volkes, sie wurden schon früh mit dem Kontakt der Kolonialherren durch Ansteckungskrankheiten dezimiert.

des höchsten Berges von Ecuador, dem Chimborazo, leben etwa 300.000 Menschen der indigenen Völker der Cacha, Licto, Colta, Calpi und Pulcate. Sie leben in fruchtbaren Hochtälern oder den kalten Páramo-Hochebenen hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Sie haben noch heute wenig Kontakt zur "Zivilisation" und sprechen Quechua. Die Canari (um Cuenca und Azogues) und die Saraguro (bei Loja) leben im südlichen Andenraum. Die Canari leben von Landwirtschaft und Viehzucht aber auch Töpferhand-werk, Goldschmiedekunst, der Weberei und der Naturfaserverarbeitung. Traditionelle Kleidung der Canari sind kurze Ponchos die mit einem breiten Stoffband an der Hüfte festgebunden werden. Die Frauen tragen buntbestickte Röcke und Blusen.

3) Völker des Amazonasgebietes
Im Oriente leben folgende indigenen Völker: im Süden die Achuar und Shuar, die Cofán, die Huaorani, die Quechua und die Siona-Secoya. Die 500 Menschen umfassende Achuar-Gruppe leben an der ecuadorianisch-peruanischen Grenze in der Provinz Morona Santiago haben einige kulturelle Ähnlichkeiten, z. B. ihre Sprache, Herstellung des leicht alkoholischen Getränkes

hafter gewordenen Volk baut auf seinen Feldern außer Bananen und Maniok auch Zucker-rohr, Mais, Erdnüsse u.a. an. Durch die Kontakte zu Missionaren, Mitarbeitern der Erdöl-gesellschaften hat sich ihre Kultur tiefgreifend verändert. Obwohl ihnen der Staat ein 670.000 Hektar großes Stammesgebiet zuerkannt hat, dürfen darauf Bodenschätze aus-gebeutet werden. Die Regierung vergibt Konzessionen an multinationale Konzerne. Die Erdölgesellschaften gehen mit veralterter Technik an die Erdölförderung. Umweltkata-strophen haben zu Protestmärschen der Huaroni in Quito und zu Straßenblockaden ge-führt, was teilweise zu Verbesserungen geführt hat.


Das kriegerische Volk der Huaroni (heute noch etwa 1500 Men-schen) lebt etwas weiter südlich als die Siona-Secoya am Río Napo, dabei stößt der westliche Bereich ihres Territorium bis an die Andenausläufer. Mitten in ihrem Gebiet beginnt, von Coca aus, eine Erdölpiste. Traditionell leben die Huaroni von der Jagd mit Lanze und Blasrohr mit einem geräuschlosen Giftpfeil (heute auch Gewehr), und Sammeln von Früchten. Das immer sess-

4) Dunkelhäutige in Ecuador
In der Provinz Esmeralda leben etwa vier Fünftel der 500.000 Dunkelhäutigen, Nachkom-men von afrikanischen Sklaven. Sie haben den beliebten Musikstil "Marimba" geprägt.


von Volker Feser, Reisebuchautor